Tramdepot Eigerplatz

März 2017

Der Eigerplatz ist ein Verkehrstechnisch wichtiger Knoten in der Stadt Bern. Trams, Busse, Autos aber auch viele Velofahrende und Fussgänger belasten diesen Platz stark. Um die Verkehrsführung den aktuellen Anforderungen anzupassen, drängte sich eine Entflechtung der Trassenführung des Individual- und des öffentlichen Verkehrs auf.

Angrenzend an den Eigerplatz befindet sich das gleichnamige Tram- und Busdepot von BERNMOBIL. Die Gleisanlage auf dem Depot hatte mit Jahrgang 1955 ihre Lebensdauer erreicht, wodurch auch hier eine Erneuerung unumgänglich wurde. Zudem strebte BERNMOBIL die Automatisierung der Ein- und Ausfahrten an, die bisher vollumfänglich von Hand per Stelleisen vorgenommen wurden. Durch die guten Erfahrungen, die BERNMOBIL bereits beim Bau des Depots Bolligenstrasse gemacht hatte, konnte Trelco als Totalunternehmer BHS/BMS das Projekt mit der bewährten Technik von Hanning&Kahl und VAB durchführen. Dies erlaubte auch technologisch und betrieblich möglichst einheitlich zu bleiben und die Steuerung im Depot Eigerplatz ins bestehende BMS einzubinden. So wurde bereits im Jahr 2008 das Projekt NSE (Neugestaltung und Sanierung Eigerplatz) lanciert, welches im November 2015 von der Berner Bevölkerung deutlich (73% Zustimmung) angenommen wurde. Das Projekt umfasst neben der genannten Sanierung der Gleisanlage und des Strassenraums auch eine attraktivere Gestaltung des Platzes sowie die Erneuerung der Siedlungsentwässerung.


Für die Betriebshofsteuerung hatten wir es hier mit einem ganz besonderen Fall zu tun.Bedingt durch die engen Platzverhältnisse und dadurch, dass ausschliesslich Einrichtungsfahrzeuge eingesetzt werden, müssen die Einfahrten rückwärts erfolgen, um dann bei Betriebsbeginn vorwärts ausfahren zu können. Für diese automatischen Ein- und Ausfahrten sind sowohl die Betriebshofsteuerung, sowie auch autarke Weichensteuerungen zuständig. Die Weichensteuerungen müssen zudem den reibungslosen Betrieb auf dem Tram-Liniennetz gewährleisten. Alle Steuerungen kommunizieren untereinander und sind in das Automatisierungskonzept eingebunden, welches des Weiteren auch die Funktion der Lichtsignalanlage, der Torsteuerung und weiteren Anlagen berücksichtigen muss.


Nach langer und intensiver Planung, die für Bernmobil bereits 2009 begonnen hatte, konnte im Sommer 2015 endlich mit dem Bau des Depotvorplatzes begonnen werden. Die Gleisanlage auf dem Vorplatz umfasst auf engstem Raum zwölf Weichen, die nun mit den bewährten Antrieben HWE 61.1 ausgestattet sind.
Ab Frühling 2016 startetedann die intensive Bauphase. Der ganze Eigerplatz wurde für den Verkehr gesperrt. Nach Vorgabe eines sorgfältig geplanten Bauprogramms arbeiteten die beteiligten Firmen von da an am Tag und in der Nacht.
Für Trelco und Hanning & Kahl bedeutete dies Weichenantriebe und Gleisschaltmittel einzubauen, Verrohrung und Verkabelung durchzuführen sowie Signale und Tastsäulen zu montieren, und danach gleich wieder Platz für den nächsten Unternehmer zu schaffen.
Als alle Gewerke an der Steuerung angeschlossen und geprüft waren, sowie die entsprechenden Anpassungen und Erweiterungen im BMS vorgenommen waren, freuten wir uns darauf, die Anlage mit von Bernmobil organisierten und durchgeführten Testfahrten, während einer Woche im Oktober 2016 auf Herz und Nieren zu prüfen.
Nach grossem Einsatz von allen Beteiligten konnte der Betrieb am 17. Oktober aufgenommen werden. Bis zum Abschluss der gesamten Baustelle, werden vorerst 13 Fahrzeuge pro Betriebstag ein- und ausfahren. Ab nächstem Jahr werden täglich rund 20 Trams das Depot vollautomatisiert verlassen und wieder einstellen. Der am Eigerplatz durchlaufende Linienbetriebwird dannebenfalls wieder aufgenommen sein. Das gesamte, komplexe Verkehrskonzept wird sich dann in der Praxis zeigen können. Dies ist eine Herausforderung, die nur mit guter Zusammenarbeit von allen Beteiligten klappt. Diese hat in unserem Teil des Projekts vorbildlich funktioniert, dafür bedanken wir uns bei allen bestens.